Die Tage sind gezählt…

Langsam neigt sich meine Zeit in Südamerika dem Ende entgegen. In ganz genau einem Monat werde ich bereits wieder am Flughafen stehen, diesmal jedoch in Richtung Europa. Ob mir das so gut gefällt? Ich bin mir nicht sicher. Zwar hab ich mich nicht in das Land Paraguay verliebt, dafür aber in seine Menschen.

José-Maria und ich

José-Maria und ich

Angefangen von der Pensionsbelegschaft, Rafi und Arnaldito, die mir hier so viele Türen geöffnet haben, über meine Kindern, deren Liebe und Freundlichkeit mich jedes Mal wieder überrascht hat bis hin zu einigen, die viel zu spät kennen gelernt habe und den vielen kurzen aber immer netten Gesprächen in den Bussen, Taxe und auf den Straßen dieses Landes. Bereits in 2 Wochen werde ich mich vermutlich per Bus in Richtung Buenos Aires aufmachen. Es wird kein fröhlicher Abschied, das weiß ich leider jetzt schon. Glücklicherweise aber auch, dass dies bestimmt nicht mein letzter Besuch in Asunción, Paraguay war.

Aber zurück zum wesentlichen. In der Zeit seit meinem Geburtstag ist das Leben ja nicht stehen geblieben. Nachdem dieser mit der gesamten Pension, dem Salsa-Lehrer, Gustavo, Ingo und anderem Anhängsel feuchtfröhlich erst im Older’s Pub und dann schließlich im Britania verbracht wurde, ließen wir das Osterwochenende recht ruhig angehen. Die Woche

Bodhi Trees

Bodhi Trees

darauf drehten die Jungs mit Hilfe der Filmhochschule Asunción ein ziemlich großartiges Video, welches bei ihrem 1. offiziellen Konzert in Paraguay auch gleich Premiere feierte. Im Café In Sintonia, einem verdammt schön eingerichtetem Café/Pub wurden die zahlreich anwesenden Fans(!) bestens unterhalten. Bereits die Woche zuvor waren die Jungs bei einigen Radio-Sendern zu Besuch gewesen und hatten dort wohl einen ziemlich guten Eindruck hinterlassen. Wenn also die Bodhi Trees bald zu Stars in Paraguay werden – ich würde mich nicht wundern. Ein etwas improvisiertes Konzert wurde ein paar Tage zuvor in der Orts-ansässigen Hooters-Filiale gespielt. Dort waren wir eigentlich nur, um standesgemäß Christians Abschied zu begießen, die leicht-bekleideten Mädchen und – zugegeben- auch die gerade spielende Live-Band, veranlassten die Jungs dann dazu selbst zu den Instrumenten zu greifen. Wie immer haben sie das bravourös gemeistert. Leider mussten die sich am 23.April bereits wieder in Richtung Heimat verabschieden, da die Aufnahmen beendet waren. Seitdem ist wieder ein bisschen Ruhe in die Pension Schrammen eingekehrt. Vergangenes Wochenende wurde dann schließlich Rafi’s 27. Geburtstag begangen und zwar – wer hätte es gedacht – mit einem zünftigen Asado. Da musste natürlich auch der liebe Profe anwesend sein, der Rafi eine von ihm handgemachte, bestickte Decke schenkte. Jesús seinen Sohn hat er natürlich auch mitgebracht, von dem ich mir gleich mal die neusten Reaggeton „Canciones“ geklaut habe. Mit seinen 13 Jahren ist er zwar jetzt noch zu jung, wird uns jedoch in 5 Jahren garantiert mal in Deutschland besuchen. Deutschunterricht nimmt er vorsorglich schon mal bei Christina.

Unter der Woche passiert sonst eigentlich nicht viel. Zwar habe ich jetzt aufgehört für die liebe Rafi zu arbeiten, da ich Asunción noch ein bisschen als Tourist genießen will, zu meinen Ninos geh ich jedoch nach wie vor. Die wollen unbedingt mal mein „Haus“ sehen, also werd ich die ganze Rasselbande nächste Woche wohl mal mit zu Peter in die Pension nehmen…der wird sich freuen!

Sonst gibt es wirklich nicht viel zu erzählen…

Meine Salsa-Künste machen ebenso Fortschritte wie meine Kochkünste. Das ganze frische Gemüse und Obst von Auberginen, Ingwer, Basilikum bis hin zu Papayas, Melonen und Maracujas…wie werde ich es vermissen. Und kaum was importiert. Mein absoluter Favorit ist jedoch Mandioca, eine Wurzel, die man am ehesten mit der Kartoffel vergleichen kann. Roh giftig, da Blausäure drin ist, aber gekocht oder gar frittiert…verdammt lecker! Gibt’s leider bei uns nicht, weswegen ich schon überlege mein gesamtes Gepäck in Mandioca aufzuwiegen…

Die Wochenenden waren in letzter Zeit auch eher ruhig, da die Mädels von ihrer Arbeitswoche immer relativ geschafft sind. Daher liegt der letzte Disco-Besuch auch schon ein bisschen zurück. Die Nacht auf den 1.Mai waren wir mal wieder im Britania. Dort gab’s nen „Tanz in den Mai“ mit reichlich 80er-Mucke…nicht so mein Ding, aber mit der richtigen Gesellschaft in Form von Lieblings-Christina war das Ganze doch nicht so übel. Dieses Wochenende hab ich dann Rosa, das Hausmädchen

Rosa und ihre Familie

Rosa und ihre Familie

von Rafaelas Chefin zu Hause besucht. Dafür machte ich mich mit dem Bus auf den 1 ½-stündigen Weg nach Guarambare einem Vorort von Asunción. Zwar war mir bereits klar, dass Rosa nicht in besseren Verhältnissen lebt, aber was das dann genau hieß, ließ mich dann schon schlucken. Erst besuchten wir ihre Großmutter, deren Haus direkt an ein „Cancha“, ein Fußballstadion grenzt. Dort war wie jeden Sonntag bereits ein Spiel im Gange, das – da Fußball absoluter Nationalsport – wie immer gut besucht war. Zu Beginn wurde ich erstmal der gesamten Familie vorgestellt. Rosa selbst hat nämlich noch 8 weitere Geschwister. Diese sowie Tanten, Nichten, Neffen usw. waren natürlich auch alle anwesend um die Fußballpartie mitzuverfolgen. Vor allem ihre Großmutter sowie deren Schwester habe ich es wohl angetan. Auf Guaraní ließen sie lachend verlauten mich gerne zur Tochter haben zu wollen. Total süß. Die beiden Damen leben in einem kleinen Häuschen das noch ihre Männer gebaut haben. Dort gibt’s im Garten noch einen richtigen Brunnen zum Wasserholen, Hühner, einen festen Ofen zum Sopa Paraguaya machen sowie ein Plumsklo und eine Kuh für das tägliche Glas Milch! Alles total traditionell und grade deshalb traumhaft schön. Dazu noch die beiden alten Damen mit ihrer ausgegerbten Haut, und dem strahlenden Lachen. Ich hab sie gleich in mein Herz geschlossen. Danach hat mich Rosa mit ihren 2 Kindern Faviola und Sebastián mit zu ihrem Haus genommen und das war dann nicht ganz so traumhaft. Bei uns würde man den

Rosas Haus

Rosas Haus

Bretterverschlag wohl Hundehütte nennen…Auf engstem Raum, in einem „Zimmer“, welches nicht einmal eine Tür besitzt wohnt die ganze Familie. Ein Bett, 2-3 Töpfe, kochen über Feuer oder mit dem Gasgrill. Fließend Wasser oder gar Dusche – Fehlanzeige! Toilette…ein Loch im Boden. Spielsachen, Kleider, die paar Möbel – alles Geschenke oder gebraucht gekauft. Und trotzdem. Ich hatte nicht einmal das Gefühl, dass Rosa unglücklich ist. Und das obwohl sie jeden Tag im Haus von Rafaelas Chefin sieht, was Wohlstand heißt. Zwar besteht ihr „Haus“ nur aus ein paar Brettern, hat keinen Fußboden, aber es ist doch ihr eigenes Haus. Und darauf ist sie ziemlich stolz. Dennoch, im Winter wird die Sache etwas schwieriger. Wenn bei  5°C der Wind durch die Ritzen zieht kann das Ganze aber auch ziemlich unangenehm sein. Ein festes Haus aus Backstein? Für Rosa unmöglich zu bezahlen, für uns gerade einmal eine billige Monatsmiete: 300€. Aus diesem Grund eine Bitte meine lieben Leser: Sollte ihr euren Taschen noch Kleingeld finden, dass ihr nicht mehr braucht um euren Lebensunterhalt zu bestreiten, meldet euch doch einfach bei mir. Ich bin mir sicher, dass Rosa so den Winter bald nicht mehr fürchten muss…

~ von vanessaholly - 12. Mai 2009.

2 Antworten to “Die Tage sind gezählt…”

  1. Diese Abschiedsstimmung… Da werd ich auch gleich ganz traurig! :(

  2. ich freu mich schon auf dich!!!!!!!!!!!!

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