Die Tage sind gezählt…

•12. Mai 2009 • 2 Kommentare

Langsam neigt sich meine Zeit in Südamerika dem Ende entgegen. In ganz genau einem Monat werde ich bereits wieder am Flughafen stehen, diesmal jedoch in Richtung Europa. Ob mir das so gut gefällt? Ich bin mir nicht sicher. Zwar hab ich mich nicht in das Land Paraguay verliebt, dafür aber in seine Menschen.

José-Maria und ich

José-Maria und ich

Angefangen von der Pensionsbelegschaft, Rafi und Arnaldito, die mir hier so viele Türen geöffnet haben, über meine Kindern, deren Liebe und Freundlichkeit mich jedes Mal wieder überrascht hat bis hin zu einigen, die viel zu spät kennen gelernt habe und den vielen kurzen aber immer netten Gesprächen in den Bussen, Taxe und auf den Straßen dieses Landes. Bereits in 2 Wochen werde ich mich vermutlich per Bus in Richtung Buenos Aires aufmachen. Es wird kein fröhlicher Abschied, das weiß ich leider jetzt schon. Glücklicherweise aber auch, dass dies bestimmt nicht mein letzter Besuch in Asunción, Paraguay war.

Aber zurück zum wesentlichen. In der Zeit seit meinem Geburtstag ist das Leben ja nicht stehen geblieben. Nachdem dieser mit der gesamten Pension, dem Salsa-Lehrer, Gustavo, Ingo und anderem Anhängsel feuchtfröhlich erst im Older’s Pub und dann schließlich im Britania verbracht wurde, ließen wir das Osterwochenende recht ruhig angehen. Die Woche

Bodhi Trees

Bodhi Trees

darauf drehten die Jungs mit Hilfe der Filmhochschule Asunción ein ziemlich großartiges Video, welches bei ihrem 1. offiziellen Konzert in Paraguay auch gleich Premiere feierte. Im Café In Sintonia, einem verdammt schön eingerichtetem Café/Pub wurden die zahlreich anwesenden Fans(!) bestens unterhalten. Bereits die Woche zuvor waren die Jungs bei einigen Radio-Sendern zu Besuch gewesen und hatten dort wohl einen ziemlich guten Eindruck hinterlassen. Wenn also die Bodhi Trees bald zu Stars in Paraguay werden – ich würde mich nicht wundern. Ein etwas improvisiertes Konzert wurde ein paar Tage zuvor in der Orts-ansässigen Hooters-Filiale gespielt. Dort waren wir eigentlich nur, um standesgemäß Christians Abschied zu begießen, die leicht-bekleideten Mädchen und – zugegeben- auch die gerade spielende Live-Band, veranlassten die Jungs dann dazu selbst zu den Instrumenten zu greifen. Wie immer haben sie das bravourös gemeistert. Leider mussten die sich am 23.April bereits wieder in Richtung Heimat verabschieden, da die Aufnahmen beendet waren. Seitdem ist wieder ein bisschen Ruhe in die Pension Schrammen eingekehrt. Vergangenes Wochenende wurde dann schließlich Rafi’s 27. Geburtstag begangen und zwar – wer hätte es gedacht – mit einem zünftigen Asado. Da musste natürlich auch der liebe Profe anwesend sein, der Rafi eine von ihm handgemachte, bestickte Decke schenkte. Jesús seinen Sohn hat er natürlich auch mitgebracht, von dem ich mir gleich mal die neusten Reaggeton „Canciones“ geklaut habe. Mit seinen 13 Jahren ist er zwar jetzt noch zu jung, wird uns jedoch in 5 Jahren garantiert mal in Deutschland besuchen. Deutschunterricht nimmt er vorsorglich schon mal bei Christina.

Unter der Woche passiert sonst eigentlich nicht viel. Zwar habe ich jetzt aufgehört für die liebe Rafi zu arbeiten, da ich Asunción noch ein bisschen als Tourist genießen will, zu meinen Ninos geh ich jedoch nach wie vor. Die wollen unbedingt mal mein „Haus“ sehen, also werd ich die ganze Rasselbande nächste Woche wohl mal mit zu Peter in die Pension nehmen…der wird sich freuen!

Sonst gibt es wirklich nicht viel zu erzählen…

Meine Salsa-Künste machen ebenso Fortschritte wie meine Kochkünste. Das ganze frische Gemüse und Obst von Auberginen, Ingwer, Basilikum bis hin zu Papayas, Melonen und Maracujas…wie werde ich es vermissen. Und kaum was importiert. Mein absoluter Favorit ist jedoch Mandioca, eine Wurzel, die man am ehesten mit der Kartoffel vergleichen kann. Roh giftig, da Blausäure drin ist, aber gekocht oder gar frittiert…verdammt lecker! Gibt’s leider bei uns nicht, weswegen ich schon überlege mein gesamtes Gepäck in Mandioca aufzuwiegen…

Die Wochenenden waren in letzter Zeit auch eher ruhig, da die Mädels von ihrer Arbeitswoche immer relativ geschafft sind. Daher liegt der letzte Disco-Besuch auch schon ein bisschen zurück. Die Nacht auf den 1.Mai waren wir mal wieder im Britania. Dort gab’s nen „Tanz in den Mai“ mit reichlich 80er-Mucke…nicht so mein Ding, aber mit der richtigen Gesellschaft in Form von Lieblings-Christina war das Ganze doch nicht so übel. Dieses Wochenende hab ich dann Rosa, das Hausmädchen

Rosa und ihre Familie

Rosa und ihre Familie

von Rafaelas Chefin zu Hause besucht. Dafür machte ich mich mit dem Bus auf den 1 ½-stündigen Weg nach Guarambare einem Vorort von Asunción. Zwar war mir bereits klar, dass Rosa nicht in besseren Verhältnissen lebt, aber was das dann genau hieß, ließ mich dann schon schlucken. Erst besuchten wir ihre Großmutter, deren Haus direkt an ein „Cancha“, ein Fußballstadion grenzt. Dort war wie jeden Sonntag bereits ein Spiel im Gange, das – da Fußball absoluter Nationalsport – wie immer gut besucht war. Zu Beginn wurde ich erstmal der gesamten Familie vorgestellt. Rosa selbst hat nämlich noch 8 weitere Geschwister. Diese sowie Tanten, Nichten, Neffen usw. waren natürlich auch alle anwesend um die Fußballpartie mitzuverfolgen. Vor allem ihre Großmutter sowie deren Schwester habe ich es wohl angetan. Auf Guaraní ließen sie lachend verlauten mich gerne zur Tochter haben zu wollen. Total süß. Die beiden Damen leben in einem kleinen Häuschen das noch ihre Männer gebaut haben. Dort gibt’s im Garten noch einen richtigen Brunnen zum Wasserholen, Hühner, einen festen Ofen zum Sopa Paraguaya machen sowie ein Plumsklo und eine Kuh für das tägliche Glas Milch! Alles total traditionell und grade deshalb traumhaft schön. Dazu noch die beiden alten Damen mit ihrer ausgegerbten Haut, und dem strahlenden Lachen. Ich hab sie gleich in mein Herz geschlossen. Danach hat mich Rosa mit ihren 2 Kindern Faviola und Sebastián mit zu ihrem Haus genommen und das war dann nicht ganz so traumhaft. Bei uns würde man den

Rosas Haus

Rosas Haus

Bretterverschlag wohl Hundehütte nennen…Auf engstem Raum, in einem „Zimmer“, welches nicht einmal eine Tür besitzt wohnt die ganze Familie. Ein Bett, 2-3 Töpfe, kochen über Feuer oder mit dem Gasgrill. Fließend Wasser oder gar Dusche – Fehlanzeige! Toilette…ein Loch im Boden. Spielsachen, Kleider, die paar Möbel – alles Geschenke oder gebraucht gekauft. Und trotzdem. Ich hatte nicht einmal das Gefühl, dass Rosa unglücklich ist. Und das obwohl sie jeden Tag im Haus von Rafaelas Chefin sieht, was Wohlstand heißt. Zwar besteht ihr „Haus“ nur aus ein paar Brettern, hat keinen Fußboden, aber es ist doch ihr eigenes Haus. Und darauf ist sie ziemlich stolz. Dennoch, im Winter wird die Sache etwas schwieriger. Wenn bei  5°C der Wind durch die Ritzen zieht kann das Ganze aber auch ziemlich unangenehm sein. Ein festes Haus aus Backstein? Für Rosa unmöglich zu bezahlen, für uns gerade einmal eine billige Monatsmiete: 300€. Aus diesem Grund eine Bitte meine lieben Leser: Sollte ihr euren Taschen noch Kleingeld finden, dass ihr nicht mehr braucht um euren Lebensunterhalt zu bestreiten, meldet euch doch einfach bei mir. Ich bin mir sicher, dass Rosa so den Winter bald nicht mehr fürchten muss…

30 ist doch auch ne schöne Zahl…

•9. April 2009 • 5 Kommentare

Nun schaffe ich es tatsächlich doch noch am letzten Tag meines 19. Lebensjahres auf dieser Erde einen Blog-Artikel zu schreiben. Und während die letzten Stunden dieser Dekade so langsam vor sich hindümpeln, versuche ich mal wieder grob zu Überreißen, was in den letzten 2-3 Wochen so alles passiert ist. Erstmal haben wir mal wieder Zuwachs im Haus bekommen, sodass die Pension mittlerweile aus allen Nähten zu platzen scheint. Vor 2 Wochen kam als 1. Tabea an, um Sarah bei ihrer Praktikumstätigkeit bei der ,,Aktuellen Rundschau“ zu unterstützen. Momentan sind die Mädels jedoch gerade, abgesehen von Christina und mir, in Buenos Aires um Osterferien zu machen. Vor knapp 2 Wochen zog dann auch schon Gerrit ein. Von dessen Ankunft wusste ich schon seit geraumer Zeit, da Rafaela ihm sein Zimmer besorgt hatte. Gerrit selbst ist Musiker, Singer-Songwriter könnte man wohl sagen und singt wahlweise auf Englisch oder Deutsch. Falls es euch weiter interessiert  bei Myspace Gerrit Ruesken eingeben. Sein Aufenthalt in Paraguay dient jedoch nicht seinen eigenen Karrierezwecken sondern denen der Bodhi Trees. Die Jungs sind vor gut ner Woche angekommen und produzieren hier in Paraguay mit Gerrit als Produzenten ihr 1. Album. Warum Paraguay…na ja mir auch nicht so ganz klar, aber Gerrit meinte was von: Abenteuer, kein Druck, Spaß, billig und eine gute Erfahrung für die Band….ja dann…. Volker, Ivan, Jonas und Aljoscha sind so zwischen 17 und 19 und wenn ich noch mal 16 wäre, hätte ich mich bereits unsterblich in sie verliebt. Jetzt, da ich ja so viel reifer und erfahrener bin(Vorsicht Ironie) kann ich nur sagen, dass sie zwar Chaoten sind, aber durchaus liebenswert und die Musik welche sie machen ist wirklich nicht schlecht, auch wenn sie mich ein bisschen zu sehr an The Kooks erinnert. Naja unter Myspace könnt ihr euch wie gesagt selbst ein Bild davon machen. Nachdem vergangenen Donnerstag dann auch noch Gerrits schwer-arbeitender Bruder Christian seinen Weg nach Paraguay gefunden hatte, um mal ein bisschen auszuspannen wurde es den armen Mädels von der Pension wohl ganz anders. Da die Jungs leider genau solche Aufräum-, Putz- und Sauberkeits-Helden sind wie mein über alles geliebter Bruder, wächst sowohl die Anzahl an dreckigem Geschirr, leeren Bierflaschen und Kakerlaken gerade exponentiell. Dafür singt und klingt es nun jedoch tagtäglich, dank Gitarren, seltsamen Tröten (ja Dad und Robin, genau solche wie ihr früher mal hattet) und schönen Stimmen in der Pension, dass es eine wahre Freude ist. Und wo wir schon bei Musik sind: Vergangenen Freitag haben es Kathrin, die gerade ein Praktikum bei uns im Büro macht, und ich doch tatsächlich geschafft auf ein Aventura-Konzert zu gehen. Aventura waren die von ,,Obsesión“, das vor ein paar Jahren der Sommerhit schlechthin war. Nachdem wir das Plakat gesehen hatten und eher spaßeshalber meinten: ,,Komm lass uns da doch mal hingehen!“ standen wir Freitagabend Punkt 22 Uhr im proppenvollen Stadion des Fußballclubs Olimpia und ich muss leider gestehen: Es war ziemlich gut. Auch wenn für europäische Ohren die Rhythmen, der Gesang sowie der Text dieser Musikart viel zu schwülstig und schnulzig sein mag: Das ist es was die Lation-Seele fühlt. Zwischen ewiger Liebe und heißen Nächten wird gelitten, dass einem das gebrochenen Herzen nur so ins Gesicht springt. Und lässt man sich erstmal auf Stimmung, Klima und die wundervolle Spanische Sprache ein, die anstatt eines simplen ,,Schatz“ Kosenamen wie ,,Mein Himmel/Leben“ bereithält, wird auch dem kalten deutschen Herzen ein bisschen ,,caliente“. Nachdem wir einen weiteren Teil der als Spenden erhaltenen Schuhe mittlerweile an eine andere Niederlassung der anglikanischen Kirche vermacht haben, die jeden 2. Samstag dafür sorgt, dass Straßenkinder duschen, essen und ein paar Stunden spielen können sowie saubere Kleidung erhalten, hat Rafi es geschafft letztes Wochenende ein Event zu organisieren, bei dem auch wir so richtig unseren Spaß hatten. Auf unserem geliebten Reitplatz arbeiten eine ganze Reihe der so genannten ,,Guardias de Cavallos. Bei uns würde man sie wohl Stallburschen nennen. Diese Jungs und Männer kümmern sich rund um die Uhr um die Pferde, verdienen kaum und na ja Schuhe? FlipFlops vielleicht. Von dem her hat es sich natürlich super angeboten, ein kleines Turnier mit eben diesen Herren zu veranstalten, bei denen es statt Preisgeld wunderschöne Turnschuhe zu gewinnen gab, die gerade Bergeweise bei Rafaela in der Wohnung liegen. Nachdem ein Sprung- und Geschwindigkeitsparcours erfolgreich absolviert worden, die Preise verteilt und sogar den Pferden Turnschuhe angezogen worden waren, gab es mal wieder: Asado. Obwohl der Profe mich bereits nach meiner kleinen Reise mit den Worten: ,,Du bist dick geworden.“ auf Diät gesetzt hatte durfte ich ausnahmsweise auch mitessen ^^. Dennoch hat er gemeint: ,,Wenn du nach Ostern wieder so aussiehst darfst du nicht mehr auf’s Pferd“. Von dem bin ich am Samstag genau wie der tapfere Volker das 1. Mal ziemlich unsanft ,,abgestiegen worden“. Auch ein Erlebnis. Am selben Tag ereignete sich in Paraguay dann auch noch ein kleines Naturspektakel. Nachdem wir den Reitplatz um 15 Uhr bei strahlendem Sonnenschein verlassen hatten, verdunkelte sich der Himmel urplötzlich, es stürmte und riesige Wolken schwarzen Nebels und Regen zogen auf. Die Paraguayer, von denen der Großteil ziemlich religiös ist befürchteten bereits das Schlimmste und beteten wie verrückt um die ihrer Meinung bevorstehende Apokalypse doch noch abzuwenden. Mittlerweile weiß man jedoch, dass der Wind wohl einfach nur einen Haufen Staub und Dreck aus Argentinien mitgebracht hatte, der dann über Paraguay wieder auf die Erde zurückfand. So verzeiht mir bitte sämtliche seltsam anmutende Satz-Konstruktionen, aber da ich schon halb auf dem Weg zum Feiern bin, hab ich keine Zeit mehr für große Korrekturen, sondern nur noch für Cerveza :-D Bis bald ihr Lieben! Vane

Solo para Rafi: Amig, jefa y a veces ojeador de esclavos ;-)

•20. März 2009 • Hinterlasse einen Kommentar
Rafi und ich

Rafi und ich

Reisebericht Extended Version

•17. März 2009 • 1 Kommentar

So nachdem die Hitzewelle wieder ein bisschen abgeklungen ist, schaff ich es endlich mal wieder zu schreiben. In den letzten Wochen habe ich schon wieder einiges erlebt. Aber der Reihe nach. Erstmal hab ich es tatsächlich geschafft mir das berühmte Schweißtuch zu kaufen. Hat mir bereits gute Dienste erwiesen – werde es also garantiert nach Deutschland mitbringen, auch wenn dort die Sommer bekannter weise ja nicht ganz so heiß sind…

Auch neue Schuhe hab ich endlich gefunden – für knapp 7€ bin ich jetzt im Besitz von einem paar traumhafter Lack-Sandaletten-irgendwas. Sehen besser aus als sie sich anhören, keine Sorge.

Auch die 1. Salsa – Unterrichtsstunde hab ich mittlerweile hinter mich gebracht. Ich und meine Lieblings-Nebenzimmer-Bewohnerin Christina haben uns an einem Sonntag den lateinamerikanischen Rhythmen gestellt und grandios versagt. Mittlerweile schaffen wir es aber immerhin die Grundschritte einigermaßen elegant aussehen zu lassen und ich bin sicher, dass es dank meinem verdammt gut aussehenden, aber leider schwulen Tanzpartner auch bald mit den Drehungen klappt.

Auch in der Pension hat sich so einiges verändert: haben bei meiner Ankunft noch Ingo und seine Mutti, die beide hierher ausgewandert sind, gewohnt, sind diese mittlerweile ausgezogen. Mit knapp 2 Monaten Verspätung kam endlich ihr lang erwarteter Container mit sämtlichen Möbeln aus Deutschland an, sodass sie nun in ihr eigenes Haus ziehen konnten. Auch ein paar andere sind gekommen und gegangen, so zum Beispiel Markus, der bei der ,,Aktuellen Rundschau’’ arbeiten wollte, aber zu einer deutschen Zeitung in Buenos Aires weiter gezogen ist, nachdem er hier nie auch nur einen Cent Lohn erhalten hatte. Auch ein argentinisches Pärchen war knapp 2 Wochen hier um einen Film über Madame Lynch zu drehen, die irische Geliebte des paraguayischen Diktators Francisco Lopéz. Auch ein deutscher Backpacker hat mal für eine Nacht vorbeigeschaut. Momentan sind wir aber ein reiner ,,Hühnerstall’’ wie unser netter Hausherr Peter sich auszudrücken pflegt. Neben mir und Christina, die aus Bautzen kommt, in Chemnitz Germanistik studiert und hier gerade ein Urlaubssemester beim Goethezentrum in Asunción einlegt um Paraguayern deutsch zu lernen, sind vor knapp 2 Wochen auch noch Sarah und Michelle eingezogen. Sarah kommt ursprünglich aus dem Schwarzwald und studiert glaube ich immer noch Literaturwissenschaften in München. Momentan macht sie hier ein Praktikum bei der ,,Aktuellen Rundschau’’- also genau das was ich ursprünglich mal machen wollte – und ab und zu erfreuen wir die liebe Christina mit ein paar Schwäbischen Redewendungen, was sie todeslustig zu finden scheint. ^^

Michelle kommt ebenfalls aus dem Osten und hat wie Christina in Chemnitz studiert – die beiden sind sich sogar schon mal über den Weg gelaufen – die Welt ist einfach ein DORF!

Sie macht hier ein Praktikum bei der deutsch-paraguayischen Außenhandelskammer.

Ansonsten ist die Pension gerade ziemlich leer. Unser hauseigenes Gespenst Manuel ist gestern ausgezogen. Der war ein ganz seltsamer Vogel. In meiner Zeit in der Pension hab ich ihn ungefähr 2 Mal gesehen – könnte auch daran gelegen haben, dass er immer nur nachts aktiv war. Den Tag über hat er geschlafen und nachts ist er dann durch die Pension geschlichen. Wenn also nachts so gegen 2 irgendwas gescheppert oder geklappert hatten wussten wir immer – Ach ja, der Manuel ist mal wieder unterwegs. Laut Aussage von Rafaela ist er vor knapp 8 Monaten mit seinen Eltern angereist, da diese ursprünglich nach Paraguay auswandern wollten. Dies hat allerdings nicht ganz geklappt, weswegen sie dann irgendwann wohl weiter nach Kanada sind und Manuel dagelassen haben. Der wollte hier nämlich ne Ausbildung machen – doof nur, dass es hier so was nicht gibt…hätte man sich vielleicht früher informieren sollen. Jetzt ist sein erklärtes Ziel, Millionen durch den Verkauf/die Produktion von paraguayischen Soft-Pornos zu machen…ja….jedem das seine, oder?

Marcel, der Schaum, ich und Christina beim Carnaval!

Marcel, der Schaum, ich und Christina beim Carnaval!

Ansonsten hab ich mich vom 05.03 bis zum 09.03 zusammen mit Marcel, von dem ich glaube ich schon erzählt habe, und seiner ihn besuchenden Freundin Annika auf eine kleine Reise durch Paraguay begeben. Am Donnerstagmorgen um 7.30 ging’s mit einem klitzekleinen Mietwagen erstmal auf nach Encarnación. Dort waren wir bereits 2 Wochen zuvor beim Carnaval gewesen. Den kann man sich ungefähr so vorstellen, wie das was man aus Brasilien kennt: halbnackte Frauen mit glitzernden Kostümen, Samba(?)-Musik und was bei uns noch hinzu kam: jede Menge Sprühschaum. Ein Trend der hoffentlich nie Deutschland erreichen wird. Dieser Schaum hat ne ähnliche Konsistenz wie Spülschau, klebt wie nochmalwas und brennt in den Augen…damit wird dann gnadenlos jeder vollgesprüht, der den Weg des Angreifers kreuzt. Irgendwann mussten wir uns dann auch mal wehren…höhöhö. Gute 4 Flaschen Schaum später, gingen wir aus diesem Kampf leider als Verlierer hervor…Spaß hat’s allemal gemacht.

Karte Paraguays - Damit ihr meine Reiseroute verfolgen könnt.

Karte Paraguays - Damit ihr meine Reiseroute verfolgen könnt.

Wie dem auch sei, kaum hatten wir uns also auf den Weg nach Encarnación gemacht und waren aus Asunción draußen, gerieten wir prompt in eine Polizeikontrolle. Nachdem sie uns als Touris identifiziert hatten, machten sie sich krampfhaft auf die Suche nach irgendeiner Ordnungswidrigkeit um uns erstmal schön zu schröpfen. Natürlich fanden sie nichts….Bis der gute Marcel in Flip-Flops aus dem Auto ausgestiegen ist. Haben uns dann seeehr freundlich erklärt, dass man ja in Paraguay nicht mit Flip-Flops fahren dürfe (macht hier jeder) und haben ihm gleich mal 25€ abgeknöpft. Auf die Frage nach ner Quittung kam nur die Antwort: Ja, die gäbe es schon, aber da müsste man dann erstmal zur Hauptdienststelle fahren und die würden uns noch viel mehr Geld abnehmen, wir hätten ja noch nen Freundschaftspreis bekommen usw….da war uns klar, dass das wohl das erste Zusammentreffen mit korrupten Polizisten war. Hat uns dann doch alle sowohl geärgert als auch geschockt, denn wenn man nicht mal der Polizei trauen kann in Paraguay, wem denn dann???

Nach 4 Stunden Fahrt kamen wir dann schließlich in Encarnación an, nur um festzustellen, dass es außer Karneval nicht viel zu sehen gibt. Und der war ja bekanntlich schon wieder vorbei. Hab noch ein paar Bildchen am Rio Paraná gemacht, mit Annikas super-tollen Spiegelreflexkamera, die ihr glücklicherweise nicht geklaut worden ist und sind dann aber gleich weiter in unser Hotel. Das stellte sich als absolute Luxusanlage heraus, mit riesigem Pool, Hängematten, großem Outdoor-Schachspiel und so weiter. Die Zimmer waren so groß und teuer, dass ich auch nur einen Abend in meinem gebuchten Einzelzimmer verbracht habe. Dieses war genauso groß wie Marcel und Annikas 2-Bett-Zimmer und beinhaltete neben einem großen ,,Ehebett’’ auch noch ein Einzel- und ein Kinderbett…hab mich schon ein bisschen verloren gefühlt.

Carnaval

Carnaval

Nachdem ich aber die Minibar, als auch die Fernbedienungen für Klimaanlage und Fernseher entdeckt hatte, gelang es mir nicht, mich an diesem Tag noch einmal aus meinem Zimmer zu entfernen und so verbrachte ich einen schönen Abend mit der Mumie 1&2.

Am nächsten Tag schauten wir uns nach einem ausgiebigen Besuch am Frühstücksbuffet die Jesuiten-Ruinen in Trinidad und Jesús an. Die Jesuiten kamen im 17. Jahrhundert nach Paraguay und waren die einzige Institution die sich damals für die Guaraní-Indianer einsetzte. Allein in den Reduktionen der Jesuiten hatten die Guaraní keine Übergriffe der Spanier oder Portugiesen zu fürchten und konnten ein einigermaßen friedliches Leben führen.

Am selben Abend durften wir dann noch eine kleine Bootstour auf dem Río Paraná machen. In dem glauben, dass es sich wohl um so einen typischen Touristen-Kahn handeln musst machten wir uns mit unserem ca. 10 cm über dem Boden schwebende kleinen Auto auf den Weg zum Flussufer. Dieser bestand aus ca. 15 km teils steil abfallender Schotterpiste…hat ein paar Mal ganz schön gekracht und wir haben den Rest der Reise Daumen gedrückt, dass uns der Auspuff nicht abfällt….

Unten endlich angekommen, stellte sich raus, das wir die einzigen Touristen waren und es sich bei dem Kahn um ein kleines aber feines Motorboot handelte, mit dem wir ca. 1 ½ Stunden über den Fluss gedüst sind. Inklusive halt an abgelegenen Sandbänken. Dank Marcel, der uns irgendeine Story von Finger-abbeißenden Fluss-Piranhas und Krokodilen erzählt hatte, lagen unsere Badesachen natürlich in Asunción, als uns unser netter Kapitän anbot schwimmen zu gehen….und das bei 40°C – WAAAHHH! Na ja immerhin konnten wir mit den Füßen ein bisschen im Wasser pflanzen, einen Haufen Schmetterlinge beobachten und hatten links und rechts von uns 2 verschiedene Länder.

Am nächsten Tag ging’s dann noch mal 250 km weiter nach Ciudad del Este, der Grenzstadt am Dreiländereck Paraguay, Argentinien, Brasilien. Die Stadt, die als Kaufparadies für Technik-Fälschungen und Schmuggelware aller Art bekannt ist versprüht den Charme einer typischen Amerikanisch-Mexikanischen-Gangster-Filmes – ich fand’s also spitze. Nach einem kurzen Zwischenstopp in unserem Hotel machten wir uns auch gleich auf den Weg nach Brasilien. Die gestaltet sich schwieriger als gedacht. Da der Rio Paraná die beiden Länder trennt, gibt es keine gemeinsame Grenze. Hieß für uns also: Aus Paraguay ausreisen, über die Brücke fahren, in Brasilien wieder einreisen und das Ganze auf dem Rückweg natürlich noch mal…sind dann durch Iguaçu durchgefahren. Und der Unterschied zu Paraguay hätte kaum größer sein können: Kein bettelnden Kinder, keine Schlaglöcher, modernere Ampeln als in Deutschland, Calvin Klein Werbung, alles sauber, teure Autos und viele unechte Brüste…total unwirklich.

Sind dann erstmal in einen Vogelpark gefahren wo man Aras, Papageien und ein Haufen bunter Schmetterlinge in riesigen Freiluftanlagen bewundern konnte. Ziemlich beeindrucken, einfach mitten im Urwald zu stehen. Danach war die Brasilianische Seite der Iguaçu-Wasserfälle dran, dem eigentlichen Grund unseres Besuches in Ciudad del Este. Diese sind die größten Wasserfälle der Welt zumindest was die Breite betrifft. Sie liegen sowohl auf brasilianischem als auch auf argentinischem Staatsgebiet. Hier mal der Wikipedia-Link falls ihr euch näher informieren möchtet:

http://de.wikipedia.org/wiki/Igua%C3%A7u-Wasserf%C3%A4lle

War auf jeden Fall traumhaft schön, tropisch nass und am Ende waren wir vom Sprühregen nass bis auf die Knochen. Sobald Annika mir die Bilder gebracht hat setzt ich sie rein, die sagen mehr aus als ich jetzt beschreiben könnte. Am nächsten Tag war dann die Argentinische Seite dran. Hieß also erstmal: Ausreisen aus Paraguay, Einreisen in Brasilien, Ausreisen aus Brasilien, einreisen in Argentinien usw…..hab gefühlte 20 Stempel mehr in meinem Reisepass. Da die argentinische Wasserfall-Seite Park-ähnlich angelegt ist konnten wir dort fast den ganzen Tag verbringen. Neben den besagten traumhaften ,,Cataratas de Iguazú“, hatten wir auch noch die Chance Kaimane, Nasenbären, große Spinnen und viele lustige Touristen zu sehen. Sogar ein bisschen Planschen im Fluss war möglich. Da an diesem Tag entweder die Sonne geknallt hat oder es wie aus Kübeln geschüttet hat, und wir wahlweise mit einem Sonnenstich bzw. verwischter Schminke und nassen Klamotten zu kämpfen hatten, fielen wir an diesem Abend nur noch wie tot ins Bett. Und ich hatte mich schon so auf’s Brasilianische Nachtleben gefreut….

Am letzten Montag hieß es dann auch schon wieder Abschiednehmen und nachdem ich noch eine (vermutlich gefälschte) Olympus-Kamera für ca. 85€ erstanden hatte, machten wir uns auch schon wieder auf den Rückweg nach Asunción.

Dort hab ich es gerade noch geschafft Christina meine Erlebnisse mitzuteilen, bevor ich fix und fertig erstmal 10 Stunden geschlafen haben.

Die restliche Woche verlief eigentlich relativ ruhig. Wie in letzter Zeit üblich mache ich mich Mittwoch bis Freitag immer um 13.30 Uhr auf in die Chacarita um meine Niños

Ich und Gustavo

Ich und Gustavo

zu treffen. Die ganze Rasselband hab ich schon so fest in mein Herz geschlossen, dass es mir jetzt schon vor dem Abschied graut. Zwar haben sie alle eine Energie, die für 2 reichen würde, aber obwohl sie wirklich nicht viel haben sind sie stets fröhlich, immer ehrlich und eine Umarmung oder ein nettes Wort reicht um sie strahlen zu lassen. Unterrichten tue ich selbst momentan nicht, das übernimmt momentan Analia, die mit Gustavo an der Uni studiert und mit der ich am Sa nach langer Zeit endlich mal wieder Kaffee trinken war.

Im Allgemeinen kann man sich die gesamte Einrichtung sowieso nicht als richtige Schule vorstellen, sondern viel mehr als einen Ort, an dem die Kinder schöne Nachmittage verbringen können – allemal besser als auf der Straße Obst oder Chipa verkaufen zu müssen. Ein paar Englische Vokabeln bleiben aber immer wieder hängen und so werde ich in letzter Zeit oft mit ,,Hello Profe“ begrüßt. Total süß. ^^

Bin in der Chacarita mittlerweile auch nur noch mit meinen ,,Gammel“-Klamotten und einer Plastik-Tüte für mein Wasser unterwegs und falle kaum noch auf. Die meiste Zeit hängen eh 2-3 Kinder irgendwie an meinen Beinen/Armen, was gar keine andere Kleidung mehr zu lässt. Ich liebe es!

Am Wochenende fand dann auch der Event statt, welchen ich mit Ariel von der anglikanischen Kirche geplant hatte. Nach einer Stunde Schnitzeljagd, Fußballturnier und anderen lustigen ,,Juegos“ im Barrio Zeballos Cue gingen sämtliche Kinder des dortigen Comedors ,,Carita Feliz“ (in etwa so was wie die Arche bei uns – die Kinder aus der dortigen Chacarita bekommen hier jeden Samstag etwas zu essen) mit einem Paar neuer Sport-Schuhe oder einem anderen Geschenk, sowie mit einem Strahlen im Gesicht nach Hause.

Am Abend wurde in der Pensión dann noch ein kleines Asado, also Barbecue veranstaltet. Heißt hier: 2 Kilo Fleisch am Stück auf den Grill schmeißen und immer wieder einfach ein Stück abschneiden, dass schon fertig durchgebraten ist. So ein

Christina und Arnaldo im Pool

Christina und Arnaldo im Pool

gutes Steak habe ich mein Leben noch nie gegessen! Da auch etwas Rum im Spiel war sprangen der gute Arnaldo und Christina am Schluss aufgrund einer seltsamen Wette teils mit Klamotten in den Pool. Ein perfekter Abend also.

So ihr Lieben, das war’s erstmal. Gestern hab ich zwar auch noch einiges erlebt, aber das hat eindeutig seinen eigenen Artikel verdient.

Ich geh jetzt erstmal mit Christina die Reste vom Asado vernichten und melde mich bald wieder. Dann hoffentlich auch mal wieder mit Bildern!

Hasta el proximó!

Nessa

Zwischenmeldung

•3. März 2009 • 2 Kommentare

Hallo ihr Lieben,

ja ich weiß mein letzer Eintrag ist schon eine Weile her. Aber momentan zieht grade eine Hitzewelle über’s Land, die sich gewaschen hat und ich fall jeden Abend nur noch wie tot ins Bett.

Heute hatte es um 18.00 Uhr noch 38°C…Temperaturen, von denen ihr wahrscheinlich träumt, die mich jedoch langsam wahnsinnig machen. Man kann bei diesen Temperaturen absolut NICHTS machen. Selbst der Weg in eines der vielen auf Gefrierfach-Temperaturen-abgekühlten Malls lohnt sich nicht, da der Weg dorthin bereits so schweißtreibend ist, dass man sich sofort erkältet wenn sich die Türen öffnen.

Leider gibt’s hier kein Hitzefrei und von dem her war mein Tag heute auch bei über 40°C  mal wieder total vollgepackt. Nach meiner obligatiorischen Stunde Spanischunterricht, bin ich vor der Sonne erstmal ins Büro geflüchtet. Dort wurde aber immernoch keine Klimaanlage eingebaut, sodass Rafaela und ich in der warmen, stickigen, von-suuuper-funktionierenden-Ventilatoren-durchgewühlten Luft vor uns hin schwitzten. Dannach sind wir in der mittäglichen Rush-hour zu einem Reisebüro gefahren um ihren und Arnaldos Flug nach Deutschland zu buchen (im Juni ist es soweit), das war dann Saungang Nr. 2. Dannach hab ich mich mit einem netten 17-jährigen namens Ariel getroffen, der für die anglikanische Kirche arbeitet. Da Rafaela erst kürzlich eine Spende von 100 Paar Schuhen und ca. 50 Fußbällen von einem namhaften deutschen Sportartikelhersteller mit A erhalten hat, heißt es nun diese zu verteilen – unter anderem an die anglikanische Kirche. Aus diesem Grund bin ich also bei sengender Hitze mit dem Bus eine halbe Stunde in die Pampa gefahren. (Quasi in das Latten Paraguays ^^) Dort haben Ariel und ich dann die Verteilung der Spenden, die an die Kirche gehen sollen geplant. Dannach musste ich noch unbedingt den Pfarrer treffen. Naja, war ganz nett, außer dass sie mich ab der Hälfte des Gespräches dann ununterbrochen zu Jesu Christu als dem Retter der Menschheit bekehren wollten. Hab ihnen meine, nun ja, nennen wir es mal „liberalere“ Einstellung zu diesem Thema erklärt, was sie vorgaben akzeptieren und verstehen zu können. Nachdem dann aber in einem Gebet für meine Erlösung gebetet wurde, die anderen Religionen irgendwie vom Teufel erschaffen und alle Menschen Sünder sein sollten, war mir klar, dass dem wohl nicht wirklich so wahr…Höllenfeuer ich komme! Hat sie glaub ich schon einiges gekostet, mich nicht gleich hierzubehalten und zum richtigen Weg zu bekehren, aber Alles in Allem war’s eigentlich ganz amüsant.

Jetzt bin ich also wieder zu Hause und mir fallen schon beim Schreiben beinahe die Augen zu. Ich muss euch also mit einem ausführlichen Bericht über die letzten 2 Wochen nochmal vertrösten. Aber morgen werd ich dank meiner Zimmereigenen Klimaanlage von der Pension aus arbeiten und hoffe, dann mal noch die Zeit zu finden.

Es drückt euch die verschwitzte Nessa aus dem immer noch (23.15 Uhr Ortszeit) 31°C heißen Paraguay.

Bienvenidos a Paraguay…

•17. Februar 2009 • 8 Kommentare

Ich hatte es ja eigentlich nicht anders erwartet. Dennoch war ich ganz schön durch den Wind, als mir diesen Samstag die Kamera aus den Händen geklaut wurde. Ich war mit Gustavo und den Kids der Schule, die mich sofort in Beschlag genommen hatten in der Chacarita unterwegs. Wir haben Flyer für die Escuelita verteilt und dann unten am Fluss einer kleinen Sanddüne Fotos gemacht, die wir auf die Website der Schule stellen wollten. Die Kinder waren davon natürlich begeistert und haben sich darum gerissen kleine akrobatische Kunststückchen zu machen oder ihre gesammelten Schneckenhäuser zu präsentieren. Ich wollte gerade ein Foto von einem der Mädchen machen als es passiert ist. Während ich noch dabei war das Bild richtig einzustellen, kam dieser Typ wie aus dem Nichts angeschossen, schrie irgendwas auf Spanisch und riss mir die Kamera aus der Hand. Ich war so perplex, dass ich im ersten Moment gar nicht verstanden habe, was da gerade passiert war. Ich wusste nur, dass grad irgendetwas ziemlich falsch gelaufen war. Total seltsam, aber es hat sich angefühlt wie früher, als ich klein war und ein anderes Kind einfach das Spielzeug aus der Hand reisst. Ich dacht im ersten Moment wirklich ich bekomm sie gleich zurück. Dem war natürlich nicht so und der Kerl suchte schleunigst das Weite im Angrenzenden Schilf. Die Anderen hatten gar nichts bemerkt bis ich es nach ein paar Sekunden in totalem Schockzustand schließlich geschafft habe mich bemerkbar zu machen. Ich wollte dann natürlich sofort hinterher aber Gustavo und Analia, auch eine ehrenamtliche Mitarbeiterin, haben mich davon abgehalten. Sie meinten der Typ, der übrigens nicht alleine war – es war noch ein anderer dabei, der sich im Hintergrund gehalten hatte und sich sofort davon gemacht hatte, als der Andere meine Kamera hatte – viel zu gefährlich sei. Laut ihnen seine solche Diebe meist irgendwelche Junkies, die nicht selten irgendeine Art von Waffe dabei hätte und von dieser auch Gebrauch machen würden. Gustavo rief dann sofort einen seiner vielen Bekannten an, der wohl in der Richtung, in die sich der Typ davon gemacht hatte wohnte und versucht so die Kamera zurückzubekommen. Hat leider nicht geklappt. Die Kinder haben sofort versucht mich zu trösten, haben dem Typen hinterhergebrüllt und waren total bestürzt, dass sie mir nicht weiterhelfen konnten. Wäre der Typ aus ihrer Chacarita gewesen, hätte ich die Kamera eine Stunde später wieder gehabt, da sie alles und jeden dort kennen und nie zulassen würde, dass einem Mitarbeiter von Gustavo auch nur ein Haar gekrümmt wird. Da der Dieb war aber auch sofort in die entgegengesetzte Richtung gerannt und so konnten wir ihm nur nachschauen, wie er sich mit meiner schönen ALDI-Kamera, die er zu seinem Pech nie verstehen können wird, da sie eine deutsche Software hat, welche sich nicht auf Spanisch umstellen lässt, davon machte. Was mich aber wirklich nervt ist, dass ich, obwohl ich dem Typen erstmal Flüche hinterher geschrien habe, die einen Bierkutscher hätten rot werden lassen, ihm nicht mal wünschen kann von einem Ziegelstein erschlagen zu werden, weil er einfach nur ein verdammt Armer Schlucker ist… Gustavo hat mich dann erstmal zur Polizei geschleppt, wo ein Beamter in aller Seelenruhe handschriftlich den ganzen Fall in ein seehr dickes Buch aufgenommen hat. Von da an war mir klar, dass ich meine Kamera nie wieder sehen würde…. Vor Wut und Schock zitternd bin ich dann zurück in die Pension und hab den Valentinstag gleich 2mal verflucht. Danke für NIX!

Noch total übermüdet vom Abend zuvor hab ich mich dann erstmal hingelegt. Am Fr Abend hatte ich nämlich mein 1. paraguayanisches Date. Einer der Tereré-trinkenden Streichertypen fand mit wohl ganz nett und da er grüne Augen hatte, haben er, ich und einer von Alices Mitarbeitern inklusive Freundin ein Doppel-Date ausgemacht. Leider habe ich es mal wieder geschafft an einen Typen ranzulaufen, der genau das Gegenteil von dem ist, was ich suche. Die meiste Zeit des Abends hatte ich das Gefühl der Mann zu sein, während er das verschüchterte Mädchen spielte…und das auf einem Kontinent der für sein Machotum bekannt ist. Ich deute das jetzt langsam als Zeichen. Vielleicht sollte ich es mir aber auch auf die Stirn tätowieren lassen: WILL EROBERT WERDEN UND NICHT SELBST EROBERN!!! Nachdem er dann einige Gläser Cerveza getrunken hatte, verbesserte sich die Situation, aber nachdem sich in der Disco auch noch rausstellte, dass er nicht einmal tanzen konnte(Hallo? Südamerika? Salsa? Diego Luna?) verlor ich das Interesse. Da ich ihm nicht sein Herz brechen wollte – die Männer hier sind sehr schnell UNSTERBLICH verliebt – hab ich ihm irgendeine Geschichte von einem Ex-Freund, in den ich immer noch verliebt bin erzählt. Das war wohl ganz akzeptabel für ihn, auch wenn er mir versprochen hat für immer mein zu sein, sollte ich wieder zu haben sein.

Nur einer von den Vieren ist nicht schwul...

Ansonsten waren die letzten Tage sehr angenehm. Habe unter anderem eine Gruppe von 3 Schwulen kennen gelernt, von denen einer süßer als der andere ist. Ich hoffe wirklich, dass ich mit denen in nächster Zeit mehr machen werde! Hab sie jetzt bereits in mein Herz geschlossen. Am Wochenende hab ich mich dann auch zum ersten Mal mit Laura getroffen. Sie ist 17 und lernt gerade am Goethe-Institut Deutsch. Sie ist die Cousine von einem der Mädels die mit Rafaela und mir reiten. Ihr Deutsch ist ungefähr so gut wie mein Spanisch und ich hab mich gefreut mal wieder so einen typischen Mädels-Nachmittag zu verbringen, bei dem wir Fotos von irgendwelchen Jungs angeschaut haben und darüber diskutierten ob Roque Santa-Cruz nun gut aussieht oder nicht (Ja tut er!!!). Morgen wird ich mit ihr ein bisschen bummeln gehen und ins Kino wollen wir auch mal. Ansonsten bin ich weiter fleissig am Spanisch lernen. Verstehen kann ich jetzt beinahe alles und auch die Zeiten werden immer besser. Am Mittwoch beginnt dann auch endlich die Schule und ich freu mich schon drauf die Ninos wieder zu sehen. Am Sonntag haben Marcel, ein Deutscher der bei der Aktuellen Rundschau ein Praktikum (:-D) macht, und ich auch endlich unsere lang geplante Tour mit dem ,,Tren del Lago’’ gemacht. Das ist der letzte, noch fahrende Zug in Paraguay. Eigentlich traurig, wenn man bedenkt, dass Paraguay das erste Land Südamerikas mit einer Eisenbahn war. Besagter Zug fährt jedenfalls mit ca. 10 km/h 1,5 Stunden in 30 Kilometer entfernte Areguá. Während der Fahrt findet im gesamten Zug ein Stehgreif-Theater statt, dass ein bisschen was über Paraguay im 19. Jahrhundert, also zur Zeit der Eisenbahn, erzählt. Gleichzeitig gibt es aber auch noch ein moderne Thema, das in unserem Fall ,,Hombre de arnas“ war – Spider Man! Areguá selbst ist, was man bei uns ein ,,Kuhkaff“ nennt. Es gibt zwar einen Töpfermarkt, dort werden aber mehrheitlich hässliche Frosch-Figuren verkauft. Wir haben uns erstmal ein nettes Mittagessen gegönnt, bei dem ich in den Genuss des besten Steaks meines Lebens gekommen bin. Das Fleisch der Paraguayanischen Vacas schmeckt einfach anders als das der Milka-Kuh. Nach dem Essen wollten wir noch einen kurzen Blick auf den See werfen, der dem ,,Tren del Lago“ den Namen gibt. Dieser ist nur von einem kleinen Hügel aus sichtbar und eigentlich noch 5 km von Areguá entfernt aber nichtsdestotrotz schön. Ein bisschen wie der Bodensee – hach… Leider war es mal wieder nicht unbedingt die beste Idee gewesen bei 40 °C im Schatten Bergsteiger zu spielen und auch der Zug hatte leider weder Klimaanlage noch eine natürliche Lüftung, sodass wir fix und fertig sowie total durchgeschwitzt wieder in Asunción ankamen. Um halb 10 lag ich tief schlafend im Bett. ^^

To-do-list:

-morgen Schuhe und das hier übliche Schweiß-Tuch kaufen gehen

-zähneknirschend eine Neue Kamera suchen gehen…wobei vielleicht will mir ja jemand meine Alte wieder verkaufen

- über den Besuch der Viehauktion schreiben

-Markus die Freundschaft kündigen, wenn er sich nicht bald meldet

-endlich Briefe/Postkarten schreiben

-in Ruhe die Neon lesen -nicht zu viel Milka-Schokolade essen

-die Ameisen-Straße in meinem Bett beseitigen -Salsa tanzen gehen

-Reise planen

Saludos Nessa

P.S.: Hallo Jenny, ich wünsch dir alle Gute zum Geburtstag!!! Fühl dich gedrückt, ok?

P.P.S.: OOOOMMMAAAA! Wie geht’s dir? Hab dein Kettle immer dran!

P.P.S.: Ich hab den BESTEN DAD der Welt! Mmjaaammm Schokolade!! Und China-Suppen! DAAANNKKEEE!!! Me gusta mucho!

Salsa picante!

•7. Februar 2009 • 3 Kommentare

Am vergangenen Freitag hatte ich dann auch die erste Tango-Stunde meines Lebens. 1 Stunde lang hing ich wie ein nasser Sack am Hals eines Vorzeige-Latino der mir unentwegt in die Augen starrte, während ich versucht habe mich führen zu lasse und dabei gleichzeitig noch einigermaßen gut auszusehen…hat leider nicht geklappt. Für emanzipierte europäische Frauen ist dieser Tanz meiner Meinung eine Herausforderung. Man muss sich voll und ganz auf den Mann verlasse, sich mit seinem kompletten Körpergewicht auf ihn stützen und dann seinen Bewegungen folgen…hat mich zugegeben ein kleines bisschen überfordert. Na ja ich probiere es jetzt erstmal mit Salsa, da könnte ich mir leichter tun.

Samstagabend waren wir dann mal wieder in einer Disco, die sich eigentlich generell kaum von denen bei uns unterscheiden. Allein mit 2 mehr oder weniger beweglichen Deutschen Kerlen hab ich dann aber mal wieder die meine Chaos-Disco-Crew aus Deutschland schmerzlich vermisst. Bridget, Sini! Ohne euch ist es einfach nicht dasselbe!

Langsam geht mir auch dieser ständig gleiche Musikstil namens ,,Reaggeton’’ auf den Keks…gut liegt vielleicht auch daran, dass ich meistens den Text nicht verstehe und sich darum jedes Lied gleich anhört, aber trotzdem. Zurück zur Pension sind wir dann mit dem Nachtbus…dort finden sich zu später Stunde die gleichen abgestürzten Gestalten wie bei uns, was ich mit Vergnügen feststellen konnte.

Am Dienstag hab ich nun auch das erste Mal wirklich Freiwilligenarbeit betrieben. Rafaela hat vor einiger Zeit in ihrer Tätigkeit als Redakteurin bei der ,,Aktuellen Rundschau’’ einen Artikel über eine mennonitische Einrichtung geschrieben, die sich um Menschen mit HIV kümmert. Die Menschen können sich dort Medikamente holen, natürlich auch geistigen Beistand oder ihre Kinder in ein Hort geben, solange sie sich im gegenüberliegenden Krankenhaus untersuchen lassen. In ebendiesem Hort hab ich am Dienstag von 8.00Uhr -15.30 Uhr mitgeholfen. Nach knapp 1 Stunde hatte ich schon 4 Kinder am Rockzipfel hängen, was ich mich aber in keinster Weise gestört hat. Ich hab zwar kaum verstanden, was sie von mir wissen wollten, da die Hälfte auf Guaraní war und der Rest auf schnellem Spanisch, aber irgendwie hat es dann doch geklappt und sie haben mich am Ende des Tages bereits ,,Tía’’, also Tante genannt. Der Zustand des Horts leider etwas heruntergekommen, heißt das Spielzeug ist größtenteils kaputt oder uralt. Falls also noch jemand ALTES KINDERSPIELZEUG ZU HAUSE HERUMSTEHEN HAT, das nicht mehr gebraucht wird, BITTE MELDEN!!! Es gibt bestimmt die Möglichkeit das ohne finanziellen Aufwand nach Paraguay zu schicken. Natürlich war es am Anfang irgendwie seltsam zu wissen, dass einige Kinder den HIV-Virus in sich tragen, und wohl daran sterben werden, aber sobald man sich mal von ihrer sprühend guten Laune hat mitreißen lassen, ist es seltsam einfach diese Tatsache für eine kleine Zeit zu vergessen. Das Einzige was ich so ein bisschen komisch fand, war, dass gleich zu Beginn aus der Bibel vorgelesen wird und bereits 4-jährige diese Stellen dann deuten sollen…Dennoch, sobald ich weiß, wie genau das mit der Escuelita und Gustavo jetzt genau von statten geht, werde ich auf jeden Fall noch mal wieder kommen.

Die restliche Woche hat es dann eigentlich beinahe jeden Abend geregnet, weswegen wir kaum zum Reiten gekommen sind. Am Mittwoch waren wir dann aber endlich wieder. Nachdem mich der Profe mal wieder die seltsamsten Verrenkungen auf dem Pferd hat machen lassen – Rafaela muss mal unbedingt Bilder davon machen, sieht garantiert zum Totlachen aus – eröffnete er mir, dass er bereits ein Date für mich klar gemacht hätte. Mir fiel natürlich erstmal die Kinnlade runter…irgendwie scheinen sich die Leute hier verpflichtet zu fühlen Ausländerinnen an den paraguayanischen Mann zu bringen. Auch Gustavo hat schon Ideen in diese Richtung geäußert und als Rafael nach Paraguay kam wurde sie auch erstmal von den verschiedensten Leuten zu allen möglichen Dates geschickt…Na ja, ich werd mir den Guten, der letzte Woche bereits auf dem Reitplatz war und mich – meiner Meinung nach – überhaupt nicht wahrgenommen hat- wohl in nächster Zeit mal anschauen. Er studiert laut dem Profe Tiermedizin und dressiert nebenbei Pferde. Ja…interessant.

Auch Tereré hab ich jetzt das erste Mal probieren können. Schmeckt im Endeffekt wie kalter Pfefferminztee. Erfrischt aber ungemein. Kein Wunder, dass hier jeder immer diese riesigen Thermoskannen mit kaltem Wasser und das Becherchen mit den Kräutern mit sich schleppt.

Gestern waren Rafaela und ich mit 2 ihren Freunde in einer Bar wo eine Live-Band Salsa gespielt hat. Und die Paraguayer können tanzen!!! Hier sind die Männer die Ersten auf der Tanzfläche, was in Deutschland NIE vorstellbar wäre. Und egal ob alt oder jung, wirklich niemanden hat es auf den Sitzen gehalten. Dirty Dancing 2 ist nichts dagegen. Hat nur meinen Entschluss bestärkt, endlich den Salsa-Tanzkurs in Angriff zu nehmen. Diego Luna watch out!!!

Weitere Erkenntnisse:

-Kühlschrankputzen kann SEHR befriedigend sein

-Einen Regenschirm braucht man auch in Paraguay

-gib niemals deine Handynummer heraus, wenn du nicht willst, dass dir auf einmal 10 verschiedene Personen, die du gar nicht kennst schreiben

-ich will das deutsche Assi-Fernsehen zurück – nichts ist so entspannend wie Pro 7 oder RTL am Nachmittag

-I-pod ich vermisse dich!

-Ameisen sind ruhige Mitbewohner

-kalte Füße hab ich auch in Paraguay

Drama, Baby!

•2. Februar 2009 • 5 Kommentare

StraßenverkäuferUnglaublich wie die Zeit vergeht…über 2 Wochen bin ich jetzt schon in Asunción und es kommt mir vor wie eine Ewigkeit. Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass ich eigentlich immer unterwegs bin. Am Montag haben wir wie gesagt Rafaelas Chefin beim Umzug geholfen. Aufgrund der hohen Kosten ihres nachgeholten Jura-Studium, war sie gezwungen von einem 2-stöckigen, riesigen Haus in guter Lage, in ein einstöckiges, versifftes Bungalow mit 2 Zimmern ziehen….bin ja gespannt wie sie das mit ihren 5 Kindern regelt. Am Dienstag war ich dann mal wieder mit Gustavo verabredet. 1 Stunde nach dem vereinbarten Zeitpunkt kam ich dann an. Hab trotz intensiver Nachfrage mal wieder den falschen Bus erwischt. Das allein wäre ja gar nicht mal so schlimm gewesen, hätte es nicht angefangen zu regnen. In Paraguay, muss man wissen, hat Regen jedoch eine ganz andere Bedeutung wie bei uns. Man könnte ihn wohl eher gleichsetzten mit Monsun. Es schüttet meistens wie aus Kübeln und das ohne Vorwarnung. Die schwarzen Wolken können innerhalb von 20 Minuten auftauchen und genauso schnell scheint dann auch wieder die Sonne. Regenschirm bringt auch nichts, da der Regen meist von Windböen begleitet wird. Damit man auch wirklich von allen Seiten nass wird…Rund-um-Service quasi. Das Faszinierendste und gleichzeitig Problematischste ist jedoch, dass Paraguay nicht über ein ausreichendes Kanalsystem verfügt. Aus diesem Grund verwandeln sich sämtliche tiefer gelegene Straßen in wahre Flüsse. Da steht das Wasser dann innerhalb von Minuten bei 10 Zentimetern und die Strömung lässt sich auch nicht lumpen. Das Doofe für die Autofahrer ist dabei, dass sie nicht nur sehr langsam voran kommen, sondern dass ihnen auch ständig der Unterboden durchrostet…Rafaela hat schon gesagt, sie meint manchmal beim Fahren die Straße zu fühlen. :-D Da ich natürlich wieder 5 Mal umsteigen sowie die Straße überqueren musst, bis ich mein Ziel endlich gefunden hatte, war ich bis auf die Knochen nass, als ich mich mit Gustavo traf. Der ist natürlich erstmal beinahe gestorben vor lachen…wie immer….dann sind wir aber glücklicherweise noch mal in die Pension zurück, damit ich mich umziehen konnte. Danach haben wir dann aber einen wirklich neHafen von Asuncióntten Nachmittag miteinander verbracht. Einziger Grund, warum ich ihm mal wieder gerne eine verpasst hätte war, dass ich herausgefunden habe, dass er gar nicht, wie behauptet, kein Wort Englisch spricht. Im Gegenteil, er kann sich sogar recht gut verständigen. Da es ihm aber viel mehr Spaß zu machen scheint, zu hören, wie ich unfreiwillig ganz Asunción mit dem Bus erkunde, hat er sich nicht bemüht, diesen kleinen Schwindel aufzudecken….Boludo! Immerhin hat er mir dann endlich mal den richtigen Rio Paraguay gezeigt. Asunción liegt nämlich in einer Bucht, und man muss erst mit einer kleinen Fähre auf die andere Seite der Bucht fahren, um dann auf der anderen Seite den Fluss sehen zu können. Dieser macht aufgrund des derzeitigen Niedrigwassers nicht unbedingt den imposantesten Eindruck und Baden geht leider auch nicht, da er meist auch als Müllhalde oder wahlweise Abwassersystem missbraucht wird. Danach waren wir noch einen Happen essen und haben endlich mal ein richtig interessantes Gespräch geführt, von dem ich mal mehr als die Hälfte verstanden habe und mein Spanisch richtig gut funktioniert hat. Ich glaube Gustavo und ich verstehen uns gar nicht mal so schlecht! Am Mittwoch war dann noch mal Umzug angesagt. Obwohl ja ,,Möbelpacker’’ angeheuert waren, haben Rafaela und ich wohl die meiste Arbeit gemacht. In Deutschland kennt man die ständigen Tereré-Pausen eben nicht…Während wir schleppten, einräumten, Kabel einsteckten usw. haben es sich Möbelpacker als auch Maler nicht nehmen lassen alle halbe Stunde Pause zu machen, um uns dann Tereré schlürfend beim Arbeiten zuzusehen…manchmal geht einem die eher „gechillte“ Lebensweise hier dann doch auf den Keks! Die darauf folgenden Tage hab ich dann endlich auch mal das sagenumwobene Lation-Liebes-Drama hautnah miterlebt. Ich hatte die Woche zuvor im Britannia einen etwas kräftigeren, langhaarigen Metal-Typen namens Oscar kennen gelernt. Dieser war zwar recht nett, jedoch in keinster Weise irgendwie anziehend für mich. Das Interessante war, dass er sowohl gut Englisch als auch Deutsch konnte, da er beides in Amerika(!) gelernt hatte. Da er ein Freund/Bekannter von Arnaldo ist, hat er mir angeboten eine persönliche Stadtführung für mich zu machen, was ich natürlich dankbar annahm – die perfekte Gelegenheit endlich mal Fotos zu machen und von einem Einheimischen etwas über die Stadt, das Land und die Geschichte zu erfahren. Danach waren wir noch kurz eine Cola trinken, was ganz nett war und das war’s auch schon…na ja, vielleicht hätten mich die Bemerkungen ob der Schönheit meiner Haut und meinen Haaren stutzig werden lassen sollen oder die Skylinevielen SMS, die er mir dann schickte, aber so willigte ich diesen Mittwoch ein, mit ihm und ein paar Freunden etwas trinken zu gehen, einfach um ein paar nette Leute kennen zu lernen. Das Drama begann, als sich rausstellte, dass es sich bei den Freunden nur um ein Mädchen und einen schwulen Kumpel handelte. So wollte er wohl verhindern, dass ich womöglich mit einem seiner anderen Freunde durch brenne. ;-) Am Anfang war der Abend eigentlich ganz angenehm, doch dann gesellte sich ein weiterer Freund zu uns an den Tisch, der weder schwul noch weiblich war und zuvor 7 Jahre in Aachen gelebt hatte. Mich interessierte natürlich brennend warum und weshalb und so haben wir uns richtig nett unterhalten ohne etwa zu flirten oder dergleichen. Dies gefiel dem guten Oscar jedoch überhaupt nicht, weswegen er mich die nächsten 3 Stunden einfach komplett ignorierte…Da begann ich mich dann zu fragen, ob ich vielleicht nur vergessen hatte, dass wir in Wirklichkeit bereits ein Paar sind…Irgendwann war ich dann ziemlich angenervt von der ganzen Situation, dass ich eigentlich nach Hause wollte. Da er aber meine einzige Mitfahrgelegenheit war, musste ich dann wohl oder übel noch mit in eine kleine, vergammelte Karaokebar, wo schon einige Einheimische schreckliche spanische Schlagerschnulzen mehr oder minder gut zum Besten gaben. Als dann mein kompletter Anhang(Oscar inkl. Kumpels) anfing Metallica Songs zu grölen, war ich kurz davor mich in den Rio Paraguay zu stürzen. Der Abend endete damit, dass Oscar irgendwann wieder mit mir redete – heißt mir ziemlich betrunken irgendetwas ins Ohr flüsterte-, ich mich selbst mit Oscars Automatik-Auto nach Hause gefahren habe, da die ganze „Bagage“ tonnenvoll war und ich nicht im Straßengraben (gell Mom ) enden wollte. Dazu muss man wissen: in Paraguay wird weder angeschnallt, noch gibt’s eine Promille-Grenze die eingehalten wird. Es gibt zwar immer wieder Kontrollen, aber mit ein bisschen Schmiergeld lässt sich in Paraguay so einiges regeln. Unglücklicherweise fiel mein Handy in seinem Auto unbemerkt aus meiner Tasche…von dem her musste ich mich dann am nächsten Tag noch mal bei ihm melden…mein Verlange danach ging selbstverständlich gegen nBananenstaudeull. Als er mir dann endlich das Handy vorbeibrachte, war ihm wohl klar geworden, dass der gestrige Abend wohl nicht unbedingt dazu beigetragen hat, dass ich mich Halsüberkopf in ihn verliebe. Als Entschädigung wollte er mir dann gleich kostenlosen Spanischunterricht anbieten, was ich jedoch leider dankend ablehnen musste. Irgendwie scheint er es wohl immer noch nicht verstanden zu haben, dass ich mich überhaupt nicht für ihn interessiere. Ich sollte es definitiv mal mit einem Vorschlaghammer versuchen. Und während er mich noch auf irgendein seltsames Konzert einlud, löschte ich schon mal geistig seine Handynummer aus meinem Telefonbuch… Am Freitag machte ich mich dann auf den Weg in die Stadt, mit der Absicht die versprochenen Postkarten zu schreiben und abzuschicken. 20 Stück sind’s an der Zahl. Als ich jedoch den Briefmarkenpreis nach Deutschland erfuhr wurde mir kurzzeitig schlecht. 1,25€ pro Karte. Insgesamt 25 Euro und dann hab ich aber noch nichts wo ich sie draufkleben kann. Da dieser Betrag 6 Stunden Spanischunterricht entspricht, muss ich euch jetzt leider darauf aufmerksam machen, dass vermutlich nicht alle Karten den paraguayanischen Poststempel tragen werden. Garantieren kann ich jedoch, dass jeder eine bekommt und sie ganz sicher in Paraguay geschrieben wurde. Ich könnte wenn gewünscht auch noch ein bisschen rote Erde oder Tereré-Kräuter aufkleben, um die Echtheit zu beweisen…

High life

•27. Januar 2009 • 7 Kommentare

Okay, das ist jetzt etwas peinlich…die ominösen Teigtaschen nennen sich ,,Empanadas’’ und sind so was wie das Nationalgericht Paraguays. Egal wo man unterwegs ist, irgendwo steht garantiert ein Kasten mit selbstgemachten Empanadas drin und fährt man die Strasse lang wird selbiger auch alle 50 Meter mit Schildern ausgewiesen.

Nach meinen kleinen Orientierungsproblemen in der Stadt legte ich bei der Suche nach dem nächsten Supermarkt noch eins drauf. Nachdem ich diesen ungefähr nach einer halben Stunde Fußweg ausmachen konnte, stellte ich fest, dass sich mein gesamtes Geld inklusive meiner VISA in meinem Rock befand…den ich nun leider nicht mehr anhatte. Also noch mal 30 Minuten voll prallem Sonnenschein und 35°C in die entgegengesetzte Richtung. Als ich dann fast wieder an der Pension angekommen war, traf ich auch noch Magda unser Zimmermädchen, das mir mit Händen und Füßen zu verstehen gab, dass gleich hinter der Pension ein viel kürzerer Weg zum Supermarkt existiert…Na toll. Eigentlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits absolut keine Lust mehr mich noch mal auf den Weg zu machen, aber Erstens hatte ich weder Wasser noch was zu Essen in der Pension und Zweitens war ich sowieso schon wieder schweißgebadet, also machte ich mich noch mal auf den Weg. Nach sage und schreibe 5 MINUTEN war ich dieses Mal am Supermarkt und hatte sogar Geld dabei! Dieses wurde dann auch u.a gleich wieder für pappiges Toastbrot – was anderes gibt’s hier mal wieder nicht- ausgegeben. An Tereré, das paraguayanische Nationalgetränk hab ich mich bis jetzt noch nicht rangetraut, was aber vor allem daran liegt, dass mir das nötige Trinkgefäß fehlt. Tereré lässt sich am besten mit dem argentinischen Mate-Tee vergleichen, mit dem Unterschied, dass die Kräuter mit kaltem anstatt mit warmem Wasser aufgegossen werden. Getrunken wird das Ganze mit einem metallenen Strohhalm der unten einen Filter besitzt, aus einem Horn-/Holz-/Silber-Becher. Auch eine paraguayanische Besonderheit: hier trinken alle aus demselben Becher/Glas/Flasche usw. Ich sag nur: Herpes olé!

Die restliche Woche gestaltete sich recht interessant. Am Dienstagmorgen hatte ich meine 1. Spanischstunde bei Sra. Dieurksen, einer älteren deutschen Dame, die mir nie den Gefallen tun würde auch nur einen Satz Deutsch zu sprechen. So wie ich es verstanden habe, war sie mal Spanisch Professorin an irgendeiner Uni und gibt jetzt, bestimmt schon Ende 60, täglich Spanischunterricht für einwandernde Deutsche und nun auch für mich. Nach 45 Minuten Einzelunterricht wurde mir zwar eine sehr gute Aussprache und gutes Verständnis bescheinigt, dafür war meine Grammatik, vor allem die verschiedenen Zeiten eine Katastrophe…das kommt davon wenn man nach dem Abi ein halbes Jahr absolut NICHTS tut.

Naja, 3 Mal die Woche hab ich von jetzt an die Chance das wieder zum Positiven zu wenden.

Am frühen Nachmittag lernte ich dann auch meinen zukünftigen Chef endlich kennen. Ursprünglich wollte ich ja ein Praktikum bei der ,,Aktuellen Rundschau’’, einer deutschsprachigen Zeitung machen. Ausschlaggebend dafür war die Möglichkeit auf bezahlte Recherche-Exkursionen, die mich sowohl im Land herum, als auch nach Argentinien und Brasilien geführt hätten. Da die Zeitung jedoch momentan finanzielle Probleme hat, hätte meine Aufgabe nun vermutlich im Korrekturlesen deutscher Texte bestanden…nicht unbedingt der Grund warum ich nach Paraguay gekommen bin. Auch Rafaela hat sich das gedacht und mich gleich an einen Freund von ihr weitervermittelt. Dieser hört auf den Namen Gustavo, ist Mitte 30 und hauptberuflich Regisseur und hat meiner Meinung nach ziemlich ,, einen hängen’’. Dennoch hat aber nebenbei noch alle möglichen interessanten Dinger am Laufen, zum Beispiel führt er zusammen mit Studenten ein politisches/geschichtliches/philosophisches Radio, versucht gerade eine Reformbewegung zu starten, hilft im Theater mit und – jetzt kommen wir zu dem Part der für mich interessant wird – er ist Leiter einer kleinen Schule am Rande von Chacarita. In dieser Einrichtung wird den Kindern aus dem Armenviertel die Möglichkeit gegeben Englisch, Tanzen oder Gitarre spielen zu lernen, aber sie können auch einfach nur herkommen und malen, tonen oder basteln. Dort wird er mich, sobald die Kinder Anfang Februar aus den Ferien zurückkommen einsetzten. Was genau meine Aufgabe sein wird weiß ich leider noch nicht, da ich absolut nichts von dem verstehe was Gustavo sagt, was wohl vor allem an seinem Hardcore-Akzent liegen könnte. Die meiste Zeit macht er sich deswegen über mich lustig, und obwohl wir uns die meistens mit Händen und Füßen verständigen können, haben wir’s doch geschafft, dass ich 1 ½ Stunden total planlos mit dem Bus durch die Stadt gefahren bin, weil ich nicht verstanden habe, wo er wollte dass ich aussteige. Natürlich war auch auf den Busfahrer, den er gebeten hatte mir Bescheid zu geben, keinen Verlass. Naja so hatte ich wenigstens die Möglichkeit noch mehr von Asunción zu sehen. Ansonsten ist er aber, soweit ich es bis jetzt einschätzen kann, ein herzensguter Mensch. Zur Begrüßung gab’s immerhin schon mal nen guten Liter Rum-Cola mit Limetten frisch vom Baum ;-) . Das Beeindruckendste war an diesem Tag jedoch, dass er mich gleich mal mit in nach Chacarita genommen hat. Mit gut festgehaltener Tasche musste ich feststellen, dass vor allem der Dreck das Bild so armselig und bedrückend macht. Der durchfließende Fluss ist voll von Müll und Fäkalien sowie Schweinen, die wiederum genau dieses Wasser trinken. Ansonsten sieht man klitzeklein kastenförmige Häuschen, die sich total verwinkelt gebaut an den Hang schmiegen. Wären der Dreck und die vielen schmutzigen kleinen Kinder nicht, würde es dort mehr nach süditalienischer Kleinstadt aussehen als nach Armenviertel. Dies war jedoch auch nicht der ärmste Teil von Chacarita. Dort wo’s nur Bretterverschläge gibt, traut sich glaube ich nicht mal Gustavo hin, der dort sonst so bekannt ist wie ein bunter Hund.

Für alle die des Spanischs mächtig sind hier noch die Links zu Gustavos Seiten:

http://reformaya.blogspot.com      —> Reformbewegung

http://gustavogus.blogspot.com    —> Blog

Die restliche Woche habe ich dann meistens Rafaela im Büro ausgeholfen. Sie arbeitet momentan für eine Dame, welche eine Agentur besitzt, die Deutschen bei der Auswanderung nach Paraguay unterstützt. Sie selbst ist eine deutsche Ex-Mennonitin mit Osteuropäischem Akzent. Dort im Büro fasse ich ein paar Artikel zusammen und da sie grade umzieht, haben Rafaela und ich uns heute auch als Umzugshelfer versucht…es gibt Angenehmeres bei 30°C.

Seit letzten Do hab ich nun auch endlich ein funktionierendes Handy. Nachdem keines der 2 extra Mitgebrachten auch nur ansatzweise ein Netz finden konnte musste ich mir wohl oder übel ein Neues kaufen. Dieses hat ungefähr 25 Euro gekostet und ich will lieber nicht wissen wie es seinen Vorbesitzer verloren hat.

Hier die Nummer inkl. Vorwahl, falls jemand das dringende Bedürfnis verspüren sollte mich anzurufen: 00595983680996

Mittlerweile waren wir sogar schon 2 Mal aus. Hier ist es sehr üblich unter der Woche wegzugehen, von dem her waren wir am Mittwochabend im ,,Britania’’ einem Irish Pub, das in jedem Reiseführer ausgewiesen wird und somit immer internationales Publikum vertreten ist. Am Samstag war dann das nächste Pub dran. Dort gab sogar noch ein Life-Konzert, das überraschenderweise gar nicht mal so schlecht war. Das Paraguayaner schneller auf Tuchfühlung gehen als in Deutschland üblich, bewiesen mal wieder die 2 Mädels, die so angetan von der Stimme des Sängers waren, dass sie sich dazu berufen fühlten ebendiesem mitten auf der Bühne die Zunge in den Hals zu stecken. Ok, er sah aber auch gut aus. ;-)

Dannach – heißt in Paraguay so gegen 2 Uhr morgens – sind wir in die Disko. Die Musik war gleich schlecht wie bei uns, nur dass anstatt Ballerman-Mucke hier spanische Schnulzen angesagt sind und die ,,Tussis’’ noch weniger anhaben als bei uns… Naja immerhin gab’s eine funktionierende Air-condition.

Weitere Erkenntnisse der letzten Woche:

- für 1 Person zu kochen ist doof

- traben macht Spaß

- hier wachsen überall Mini-Mangos, Bananen, Orangen…ich fühl mich wie im Schlaraffenland

- Verkehrsregeln = NULL

- ich bin ganz sicher Angelina Jolie

- mit Englisch kommt man hier nicht weit

- Deutsche Auswanderer sind komisch

- wer beim Arbeiten nicht ständig überwacht wird trinkt den ganzen Tag im Schatten Tereré

- Sonnenbrand kriegt man auch mit LSF 50

- große Brüder finden sich in Paraguay ziemlich einfach

- auch Nichtstun führt zu Schweiß

Bis bald

Volles Programm

•21. Januar 2009 • 2 Kommentare

Nach einem weiteren 2-stündigen Flug bin ich nun also sogar pünktlich am 16.01 um 10.10 Ortszeit in Asunción angekommen. Nachdem auch mein Gepäck glücklicherweise vollständig her gefunden hat – laut einem deutschen Mitreisenden reines Glücksspiel- wurde ich auch schon von Rafaela und Arnaldo in Empfang genommen. Selbst wenn der Name anderes vermuten lässt: Rafaela kommt wie ich aus Ravensburg bzw. Weingarten und ist die Tochter eines Freundes meines Vater. Sie ist seit ca. 1 ½ Jahren in Paraguay, spricht fließend Spanisch und hat eigentlich überall ihre Finger drin – im positiven Sinn versteht sich(dazu später mehr). Arnaldo ist ihr paraguayanischer Freund, der mich genau wie sie noch nie gesehen und trotzdem sofort erkannt hat. Lag wahrscheinlich daran, dass mich die Anzahl an freudig erregten Familienmitgliedern, die auf jeden einzelnen Ankommenden kamen, etwas überfordert aussehen ließ. Im Auto, dass aufgrund der durch den Flughafen funktionslos gewordenen Zentralverriegelung erstmal von Arnaldo durch den Kofferraum bestiegen werden musste, teilte er mir auch gleich mit, dass Paraguay nach Bolivien das 2. ärmste Land in Südamerika sei und ich Dinge sehen würde, die ich noch nie gesehen hätte – 3. Welt eben. Damit ging’s dann direkt 500 Meter weiter los. Auf der Suche nach einer Wechselstube fährt man an überladenen Pferdekarren vorbei, die meistens von Kindern oder Jugendlichen gelenkt werden und irgendwelche/n Möbel/Müll oder sonst was transportieren. In der Nähe von Ampeln finden sich garantiert immer Leute die für eine minimale Summe Autoscheiben putzen, Obst und Gemüse verkaufen, oder irgendwelche Kunststückchen aufführen. Was ich aber irgendwie am Beklemmendsten fand, waren die vielen kleinen dreckigen Kinder, die immer wieder durchs Fenster hereingeschaut und gebettelt haben. Dass es aber auch anders geht, durfte ich sofort im Anschluss in der riesigen Luxus-Mall erfahren, in die wir wegen des Wechselns einen Abstecher gemacht haben. Paraguay ist eben ein Land der Gegensätze – vor allem zwischen arm und reich. Egal ob Hugo Boss, Ralph Lauren oder Barbie(!) – in den Malls findet man die gleichen Stores wie bei uns inklusive des Preisniveaus. Nachdem wir noch einen Happen Paraguayanisches Chinesisch essen waren, ging’s erstmal ab in die ,,Pension Schrammen’’ die für die nächsten paar Monate mein zu Hause sein wird. Nach einem kurzen Einkauf in einem der amerikanisch anmutenden Supermärkte bin ich dann aber schon, aufgrund des ,,Schäätläääg’’, um 21 Uhr in mein großes Doppelbett gefallen. Dieses gehört mir jedoch leider nur so lange, bis die geruchlichen Überreste meines Vorgängers aus dem nächsten freiwerdenden Einzelzimmer beseitigt worden sind. Mittagessen

Am Samstag nahm mich Rafaela dann nach einem kurzen Frühstück (von der Pension gestellt wird Brot, Marmelade, Kaffee und Butter) so um 10 Uhr die 1. Reitstunde meines Lebens. Der arme Gaul hieß ,,Piccuró’’(für richtige Schreibweise übernehme ich keine Garantie) und muss sich halb tot gelacht haben, bei den Verrenkungen die mich mein Reitlehrer machen ließ. Von einer vollen Drehung im Sitzen auf dem Pferd bis hin zu freihändig reiten, wurden alle Maßnahmen ergriffen, dass ich das nötige Gleichgewicht finde. Einziger Trost war, dass Rafaela, die sich natürlich köstlich amüsiert hat, wohl vor einiger Zeit dasselbe machen musste. War alles anstrengender als ich dachte, hat aber auch viel mehr Spaß gemacht als erwartet! Und da ich am nächsten Tag auch keinerlei Muskelkater verspürte, gehört der Ausflug auf den Reitplatz von nun an 2-mal die Woche zu meinem Tagesplan.

Der restliche Tag verlief dann, abgesehen von einer Runde Metropoly (südamerikanisches Monopoly bei dem jeder Deals mit jedem am Laufen hat), eher ruhiger, also auf meinem Zimmer, da Rafaela und Arnaldo arbeiten waren und ich auch erstmal richtig ankommen musste. Abends hab ich mich an Spaghetti mit (selbstgemachter) Tomatensoße probiert, was irgendwie nicht ganz gelang. Könnte aber auch daran gelegen haben, dass vor lauter Hitze in der Küche nicht nur das Nudelwasser sondern auch ich gekocht habe. Generell dusche ich hier mindestens 2 Mal täglich, da man bei 30°C selbst nach minimalen Anstrengungen schweißgebadet wie nach einem Marathon ist.

Am Sonntag ging’s dann erstmal ab in die Kirche. War ein anglikanischer englischer Gottesdienst, bei dem die meiste Zeit nur Texte aus der Bibel vorgelesen und dann gedeutet wurde. Das interessant war dann auch, wie Rafaela vorher meinte, das After-Gottesdienst-Buffet. Ich glaube in Paraguay ist es üblich, dass sich die Gemeinde nach dem Gottesdienst immer noch auf einen Tee und ein paar Snacks trifft. In unserem Fall waren das ca. 10 Personen und die Snacks bestanden aus gegrillten Bananen und Mangostücken. Das interessante waren jedoch die Lebensgeschichten dieser Menschen, von denen die meisten englische Wurzeln haben. Der Pfarrer, oder war’s nur ein Prediger, kam vor Ewigkeiten aus den USA nach Paraguay und arbeitet im Chaco mit den Guaraní, den Ureinwohnern/Indianern Paraguays. Und eine ältere Dame die sich viel sozial engagiert, hilft momentan einer drogensüchtigen Frau aus einem von Asuncións Armenvierteln wieder clean zu werden und sich im wahren Leben zurechtzufinden.

Am Montag hab ich mich dann allein auf den Weg in die „große Stadt“ gemacht. Natürlich standesgemäß mit dem Bus. Dieser hält überall, solange du nur kräftig winkst, fährt wieder an, wenn du gerade mal einen Fuß drin hast und der Fahrer sitzt meistens auf einem metallenen Gartenstuhl und fährt wie ne „gesengte Sau“. Für knapp 30 Cent kommst du dafür aber überall hin – im wahrsten Sinne des Wortes – denn um auszusteigen muss man einfach an einer Leine ziehen und der Bus hält sofort. Nix Bushaltestelle wie bei uns, jedoch nervig wenn alle 50 Meter jemand aus- odParlamenter einsteigt. Das Zentrum von Asunción ist eher klein, das Leben spielt sich dafür umso lauter in den 4-5 Blocks oberhalb des Flussufers ab. Dort haben das Parlament, der Regierungspalast und verschiedene Denkmäler ihren Platz. Dominiert wird das Bild jedoch von den vielen Straßenverkäufern, die Obst, CDs, Souvenirs oder Fake-Ware anbieten. Die Polizei ist eig. immer präsent (an jeder Ecke steht ne andere Uniform), interessiert sich aber weder für gefälschte Marken noch Verkehrsregeln(Anschnallen?Häh?).

Trotzdem hab ich mich, aufgrund der Warnungen meines Reiseführers kaum getraut meinen Foto rauszuholen und nur verstohlen ein paar Bilder gemacht. Nachdem ich so ca. 2 Stunden umhergelaufen war, hatte ich eigentlich das Meiste gesehen. Das Makaberste ist meiner Meinung nach, dass zwischen dem supersauberen Parlament und dem Eingang von Chacarita, dem Armenviertel am Flussufer nicht mal 100 Meter Luftlinie liegen. Na ja, so haben sie wenigstens immer das Problem vor Augen.

Chacaritas

Genauso wie hier abgebildet: Auf der einen Seite das Parlament und direkt gegenüber Chacarita

Mittag gegessen hab ich in einem der vielen kleinen Imbisse, die sich an jeder Ecke finden. Ich bin einfach dorthin, wo die größte Schlange war und wurde nicht enttäuscht. 2 leckere Teigtaschen gefüllt mit Fleisch/Schinken für umgerechnet weniger als 1€. Nur den Namen hab ich leider vergessen, aber da es diese in Paraguay überall gibt, lässt sich der noch rausfinden. Menschenmassen gibt es wie in jeder Großstadt, an was ich mich noch gewöhnen muss ist die Freundlichkeit der Menschen(fragt man jemand nach dem Weg und er weiß es nicht, sucht dieser einfach einen der es weiß) und das ständige „angelabert“ werden. Läuft man hier als Frau eine Straße entlang, wird man entweder angehupt, wird einem hinterher gepfiffen und ständig tönt einem „mí amor“ oder „que linda“ entgegen.

Damit lässt sich jedoch gut leben ;-)

Nach ca. 5 Stunden wollte ich dann wieder zurück zur Pension. Die Straße zu finden, in der mein Bus abfährt gestaltete sich dann, trotz freundlicher Hilfe der Paraguayaner, als längere Angelegenheit. Und so bin im mindestens 5 Mal im Kreis gelaufen bis ich endlich in den Bus steigen konnte. Ich bin mir sicher der ein oder andere Straßenverkäufer hält mich mittlerweile für ein bekanntes Gesicht…

P.S.: Nächstes Mal folgt dann, was ich eigentlich in Paraguay mache…

 
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